ZellchemingEXPO 2026: Zukunftsinvestitionen werden zur strategischen Frage
MFP News
23. Juni 2026
Manchmal wird der Zustand einer Branche nicht in Kennzahlen sichtbar, sondern in Gesprächen auf einer Fachmesse. Die ZellchemingEXPO 2026 beherrschte eine Mischung aus Sorge und Zuversicht: Einerseits prägen Kosten, Energiefragen und Transformationsanforderungen die Agenda vieler Unternehmen. Andererseits zeigte sich an vielen Stellen ein bemerkenswerter Wille, die Zukunft der Branche aktiv zu gestalten.
Am Messestand der Modellfabrik Papier war diese Spannung in vielen Gesprächen spürbar: Unternehmen prüfen Investitionen sorgfältiger, priorisieren Projekte stärker und müssen kurzfristige Kostendisziplin mit langfristiger Zukunftssicherung verbinden. Zugleich diskutierten viele Akteure der Branche mit den Forschenden aus dem Innovationsnetzwerk aktuelle Herausforderungen, konkrete Forschungsansätze und die Frage, wie aus technologischen Möglichkeiten schneller industrielle Anwendungen werden können.
Weichenstellungen für morgen
Die wirtschaftliche Lage der Papierindustrie lenkt den Blick auf eine zentrale strategische Herausforderung: Wer in schwierigen Marktphasen ausschließlich auf Konsolidierung setzt, riskiert, notwendige technologische Entwicklung zu verzögern. Wer dagegen gezielt in Forschung, Effizienz und neue Prozesslösungen investiert, schafft Grundlagen, um für die Zukunft besser aufgestellt zu sein.
„Die Papierindustrie steht wirtschaftlich enorm unter Druck. Ich habe mit Unternehmen gesprochen, die trotz der Lage gut aufgestellt sind, Geschäftsmodelle hinterfragen, technologische Entwicklungen vorantreiben und dort investieren, wo die künftige Wettbewerbsfähigkeit entsteht“, fasst MFP-Geschäftsführer Peter Bekaert seine Messeeindrücke zusammen. „Es müssen jetzt die entscheidenden Weichen gestellt werden.“
Krise und Zukunftsorientierung schließen sich nicht aus. Gerade jetzt stellt sich die Frage, welche Investitionen auf die künftige Wettbewerbsfähigkeit einzahlen. Nicht nur in Optimierungen des Bestehenden, sondern auch in neue Technologien, die heute vorgedacht, entwickelt und skaliert werden müssen, um morgen industriell nutzbar zu sein.
„Forschung darf nicht als vorgelagerten Prozess verstanden werden, sondern als Teil industrieller Zukunftssicherung.“
Die ersten Forschungsergebnisse sind greifbar: trocken gelegtes Papier.
Forschung und Anwendung zusammenbringen
Wie solche Zukunftsinvestitionen konkret aussehen können, zeigte die Modellfabrik Papier an mehreren Stellen der ZellchemingEXPO. Gemeinsam mit dem Industriepartner ABB stellte sie in einem Best-Practice-Vortrag Ergebnisse aus dem jüngst abgeschlossenen FOREST-Projekt vor. Das Projekt beschäftigt sich mit digitalen Zwillingen und zeigt, wie Produktionsprozesse, Energieflüsse und Stoffströme transparenter gemacht werden können. Für die Industrie eröffnet dieser Ansatz neue Möglichkeiten: Prozesse lassen sich besser verstehen, Optimierungspotenziale gezielter erkennen und Entscheidungen stärker auf Daten und Modellen aufbauen.
Auch beim ScienceFlash am Karrieretag war die Forschungsarbeit der Modellfabrik Papier mehrfach Thema. Gleich zwei Beiträge landeten auf dem Siegertreppchen. Die Themen zeigen die Bandbreite der Forschungsaktivitäten: Die Modellierung der Faserverteilung in turbulenten Strömungen mithilfe der computergestützten Strömungsmechanik und die trockene Papierherstellung – ein Thema, das mit Papierproben zum Anfassen beim Publikum besonders punkten konnte. Darüber hinaus brachten Forschungspartner der Modellfabrik Papier ihre Expertise in gut besuchte Workshops ein und diskutierten mit den Teilnehmenden neue technologische Ansätze für die Papierproduktion von morgen.
Die richtigen Fragen stellen
Einmal mehr wurde in Vorträgen und Messegesprächen deutlich: Innovation beginnt damit, die richtigen Fragen zu stellen und Transformation vernetzt zu denken. Denn die Zukunft der Papierindustrie entscheidet sich nicht an einem einzelnen Thema. Dekarbonisierung, Energieeffizienz, Bioökonomie und Kreislauffähigkeit müssen noch stärker zusammengedacht werden. Zwar bleiben Einzeloptimierungen wichtig. Doch notwendige Technologiesprünge entstehen dort, wo neue wissenschaftliche Erkenntnisse im Zusammenspiel mit der Industrie in die Anwendung gebracht werden.
„Was mir besonders im Gedächtnis bleibt, sind die Menschen, denen ich begegnet bin“, sagt Bekaert. „Jüngere wie erfahrene Fachleute aus Wissenschaft und Industrie, die mit großer Begeisterung für diese Branche arbeiten und wirklich etwas bewegen wollen.“
Gestaltungswille als Stärke der Papierindustrie
Dieser Gestaltungswille ist eine zentrale Ressource der Branche. Für die Modellfabrik Papier bestätigt die ZellchemingEXPO 2026 den eigenen Auftrag: Wissenschaft und Industrie zusammenbringen, Kompetenzen bündeln und gemeinsam die Technologieentwicklung für eine wettbewerbsfähige und nachhaltige Papierproduktion von morgen vorantreiben.
„Entscheidend ist, Forschung nicht als vorgelagerten Prozess zu verstehen, sondern als Teil industrieller Zukunftssicherung. Wer heute Kompetenzen über Unternehmensgrenzen hinweg bündelt, um neue Technologiepfade für mehr Energieeffizienz und geringeren Energieeinsatz mitzuentwickeln, schafft Optionen für die Wettbewerbsfähigkeit von morgen“, so Bekaert.
Die Bilanz der Modellfabrik Papier nach dem Branchentreffen lautet deshalb: zuhören, vernetzen, weiterdenken. Die Gespräche auf der Messe haben gezeigt, wie groß die Herausforderungen sind – aber auch, wie viel Wissen, Erfahrung und Gestaltungswille in der Branche vorhanden sind.
Diesen Austausch möchte die Modellfabrik Papier gemeinsam mit ihren Gesellschaftern, Forschungspartnern und weiteren interessierten Unternehmen weiterführen.
Die Modellfabrik Papier schafft Raum für neue Ideen – und sorgt zugleich dafür, dass daraus technisch tragfähige und energetisch sinnvolle Lösungen für die Industrie werden.
(c) MFP
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