Am Ende ihres Besuchs erhielt NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur einen Blumenstrauß. Schön anzusehen – und technologisch ungewöhnlicher als auf den ersten Blick gedacht: Die weißen Rosen in dem Origami-Bouquet bestehen aus dem ersten Papier, das auf der Pilotanlage der Modellfabrik Papier ohne Wasser hergestellt wurde.
Auf ihrer Sommerreise durch das Rheinisches Revier kam NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur ins Innovationsquartier Düren und besichtigte den fast fertiggestellten Neubau der Modellfabrik Papier. Es war die dritte Station dieses Tages auf ihrer Tour zu Vorzeigeprojekten in der Strukturwandelregion. Ob Halbleiter-, Textil- oder Papierfertigung: Alle drei Projekte verbindet der Anspruch, Forschungsinnovationen in industrielle Wertschöpfung zu übersetzen.
Am Ende ihres Rundgangs erhielt die NRW-Wirtschaftsministerin einen Blumenstrauß. Das Bouquet bildete den Abschluss eines Besuchs, bei dem es um weit mehr ging als um einen Neubau. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie aus wissenschaftlichen Ideen neue Technologien werden, die ihren Weg aus dem Labor in die industrielle Anwendung finden. „Entscheidend ist der Transfer und die Schnelligkeit, mit der Innovationen in die Industrie gelangen“, betont Peter Bekaert. Betrachtet man die klassischen Innovationszyklen der Papierindustrie, ist das von der Politik gesteckte Ziel Klimaneutralität bis 2050 nur zwei Papiermaschinen weit entfernt. Unterdessen verstärken die Transformationsanforderungen den Druck auf die Unternehmen, sich fit für die Zukunft zu machen. Dass wegweisende Innovationen nicht im Alleingang entstehen, sondern in gemeinsamer Arbeit von Industrie und Wissenschaft, zeigen die Forschungsfortschritte der Modellfabrik Papier.
Im Fokus stehen unter anderem neue Ansätze bei Entwässerung und Trocknung sowie Verfahren, die heute noch weit vom industriellen Standard entfernt sind. Die Blumen aus Papier sind dafür ein Beispiel: Die Rosen bestehen aus dem ersten trocken gelegten Papier, das auf der Pilotanlage der Modellfabrik Papier ohne Wasser gelegt und nachverfestigt worden ist. Sie zeigen symbolhaft, worum es im Technikum des Forschungsgebäudes künftig in großem Maßstab geht: etablierte Prozesse der industriellen Papierfertigung hinterfragen und neue Wege in der Papierproduktion ermöglichen.

Innovationen entstehen nicht im Alleingang
„Dafür kann kein Unternehmen und keine Forschungsdisziplin allein die Lösung liefern“, erklärt Bekaert. Es braucht einen Ort, wo Industrie und Wissenschaft ihr Wissen und ihre unterschiedlichen Perspektiven zusammenbringen können. Unter dem Dach der Modellfabrik Papier werden gänzlich neue Prozesskonzepte gemeinsam entwickelt, erprobt und skaliert. Mit dem Vorteil, dass Entwicklungsaufwand und Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden.
„Düren nimmt mit dem Ankerprojekt „Modellfabrik Papier“ eine wichtige Rolle ein. Das ist Innovationskraft made in NRW: wenn nachhaltige Industrie und wirtschaftliche Entwicklung Hand in Hand gehen“, sagte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur.

Auf ihrem Rundgang informierte sich die Ministerin über die Fortschritte beim Neubau, der selbst neue Maßstäbe setzt: Als eines der ersten Labor- und Forschungsgebäude Deutschlands wird der Neubau mit der DGNB-Platinzertifizierung ausgezeichnet. „Damit zeigen wir, dass nachhaltiges Denken bereits bei der Infrastruktur beginnt“, so Bekaert. „Technisch ist das Gebäude so ausgelegt, dass es sich an veränderliche Nutzungsanforderungen, die sich aus Forschung und künftiger Skalierung ergeben, anpassen kann.“ Herzstück ist das zweigeschossige Technikum, in dem neue Verfahren und Technologien weiterentwickelt werden, die jetzt schon an den Interimsstandorten und bei den Forschungspartnern der Modellfabrik Papier konzipiert und erprobt werden.
Fünf Prototypen in der Entwicklung
Die Forschungsansätze sind vielfältig und setzen an den verschiedenen Prozessstufen der Papierfertigung an. Die gezielte Veränderung der Eigenschaften von Zellstofffasern soll beeinflussen, wie stark Wasser an Fasern gebunden ist. Lässt es sich leichter mechanisch entfernen, sinkt der Energieaufwand für die anschließende Trocknung der Papierbahn. Ein anderer Forschungsansatz beschäftigt sich mit der mechanischen Entwässerung in der Presspartie und der Frage, wie Pressfilze zur Rückbefeuchtung der Papierbahn genau beitragen – und wie sich das ändern ließe. Ein weiteres Forschungsfeld setzt in der Trockenpartie der Papiermaschine an und untersucht, wie die Energie aus der feuchten Abluft zurückgewonnen, im Kreislauf geführt und erneut als Prozesswärme genutzt werden kann, um so den Energiebedarf zu senken.
Fünf Prototypen befinden sich in der Entwicklung. Darunter die wasserlose Papierlegung, die eine gänzlich neue Prozessroute der Papierherstellung verspricht. Die Rosen aus trocken gelegtem Papier sind ein kleines Anschauungsstück. Sie zeigen, wie aus einer unkonventionellen Idee und der Zusammenarbeit verschiedener Forschungspartner ein Transferpfad aus der Grundlagenforschung in die praktische Anwendung wird.
Ein blühendes Stück Forschung eben.
Wie die Entwicklung neuer Technologien die Transformation der Papierindustrie vorantreiben, zeigten das Start-up HanRAW und das Pyrolyse-Projekt KuroVia in Zusammenarbeit mit dem Industrieunternehmen Sihl. Die Projekte verdeutlichten, wie innovative Ideen in Düren entwickelt, erprobt und gemeinsam mit Unternehmen in die Anwendung gebracht werden.
Kommen Sie gerne auf uns zu wenn Sie mehr über die Modellfabrik Papier, unsere Aufgaben und unsere Projekte erfahren möchten.
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